Mölln ist leider die Gegenwart

Seit dem 23. November 1992 wissen wir, dass rassistische Gewalttaten kein erschütterndes Privileg des Ostens von Deutschland sind. Vor 25 Jahren starben in Schleswig-Holstein drei Menschen bei Brandanschlägen auf zwei Wohnhäuser, bewohnt von türkischstämmigen Menschen. Neun wurden z.T. schwer verletzt. Mit Mölln, einer Kleinstadt im Herzogtum-Lauenburg, erreichten die rechtsextremen Anschläge auf erschütternde Weise auch Westdeutschland und Schleswig-Holstein. Diesem folgte der Brandanschlag im nordrhein-westfälischen Solingen am frühen Morgen des 29. Mai 1993. Auch bei diesem verübten Verbrechen fielen fünf Menschen zum Opfer. Die auch als Mordanschlag von Solingen bezeichnete Tat hatte ebenfalls einen rechtsextremen Hintergrund. Dies war trauriger Höhepunkt einer ganzen Reihe rassistischer Gewalttaten in ganz Deutschland, welche Anfang der 90er Jahre extrem zunahmen.


„Wenn ich sage, dass Mölln leider die Gegenwart ist, meine ich die Symbolkraft, die diese menschenverachtende Tat inne hat. Der Brand ist nicht gelöscht, und er glimmt nicht nur, er lodert wieder auf.“ so Özlem Ünsal – Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt der SPD Schleswig-Holstein und Kieler Landtagsabgeordnete. Die AFD ist inzwischen in 14 Landtagen vertreten. Sie ist drittstärkste Kraft im Bundestag. Unter Ihnen befinden sich auch geistige Brandstifter, die vor diskriminierenden, spaltenden oder hetzenden Aussagen nicht zurückschrecken. Mit der Zunahme von bei uns Zuflucht suchenden Menschen, stiegen zudem rechte Gewalttaten deutlich an. Für alle demokratischen Parteien gilt deshalb der gemeinsame Schulterschluss zum Umgang mit dem erstarkenden Rassismus und mehr Präsenz in politikverdrossenen Milieus, zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern und den Eingewanderten echten Chancen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verschaffen, damit am Ende nicht die Falschen profitieren.
Wir gedenken der Opfer von Mölln und allen weiteren Opfern rechter Anschläge, denn sie verpflichten uns dazu, für eine vielfältige solidarische Gesellschaft einzustehen. Der starke gesellschaftliche Zusammenhalt in unserer Demokratie bleibt das kraftvollste Bollwerk gegen Hass, Hetze und Menschenverachtung.

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