„Wohnraum stapeln oder Lebensraum gestalten?“

 Unter diesem provokanten Motto haben wir als SPD-Landtagsfraktion am 25. September 2018 erstmalig zu unserer Auftaktreihe ins Kieler Landeshaus eingeladen, um mit Experten aus unterschiedlichsten Fach- und Politikbereichen Entwicklungen zu diskutieren und an Lösungen für Schleswig-Holstein zu arbeiten. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem städtischen Wohnen, insbesondere dem sozialen Wohnungsbau. Unsere Fachexperten stellten in ihren Vorträgen verschiedene Perspektiven und erste Diskussionsgrundlagen vor.özlem Ünsal

Was können das Land Schleswig-Holstein und seine Kommunen tun, um der steigenden Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum gerecht zu werden? Manchmal hilft ein Blick über den Tellerrand hinaus. Dies machte uns Prof. Dr. Kunibert Wachten, Leiter des Instituts für Städtebau und Landesplanung an der RWTH Universität Aachen, in seinem Impulsvortrag über „leistbares Wohnen“ am Beispiel der Stadt Wien deutlich. Dies ermöglichte zugleich einen Rückblick auf unsere diesjährige Fraktionsreise, die einen intensiven Einblick und Erfahrungsaustausch in der Wohnungspolitik vor Ort inne hatte.

Guter Wohnungsbau gilt seit jeher in Wien als „Qualitätsmarke“, mit der offensiv für die Attraktivität der Stadt nach außen geworben wird. Wien besitzt eine fast hundertjährige Tradition im Gemeindewohnungsbau. Legendär sind die großen Siedlungen aus der Zeit des „roten Wien“ in den 1920er Jahren wie beispielsweise der Karl-Marx-Hof. Trotz dieser guten Ausgangslage hat die Stadt Wien 1995 beschlossen, die Qualität des geförderten Wohnbaus noch weiter zu steigern. Dafür steht die „Qualitätsoffensive im Wiener Wohnbau“. Und jüngst hat die Stadt Wien eine IBA ausgerufen: Neues soziales Wohnen. Wachten nennt das Prinzip: „Weniger vom Individuellen, mehr für die Gemeinschaft.“

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Wachten folgte ein Blick auf die Stadt Kiel. Auch wenn die Stadt Kiel mit anderen Bedingungen zu tun hat als die Stadt Wien, beispielsweise die abnehmende Anzahl an Wohnungen mit sozialen Zweckbindungen, gibt es dennoch Ansätze, den sozialen Wohnungsbau in der Landeshauptstadt auszugestalten. Mit dem ‚Masterplan Wohnen‘ soll 30% der Wohneinheiten als sozialer Wohnraum geschaffen werden. Des Weiteren weist der Wohnbauflächenatlas für den Wohnungsbau geeignete Flächen aus. Die Stärkung des kommunalen Wohnungsbaus steht ebenfalls im Mittelpunkt der Wohnraumpolitik der Stadt Kiel. Ein Beschluss zur Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ist jüngst erfolgreich gefasst.

Fazit meiner Auftaktveranstaltung: Unsere gemeinsamen Initiativen mit den Kommunen fruchten. Die von uns als Kieler SPD in den Kooperationsvertrag verhandelten Ziele zur Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft für die Landeshauptstadt gehen in die Umsetzungsphase und sind modellhaft auch für andere Standorte denkbar. Hierzu werde ich meine Kreisbereisungen fortsetzen. Der Bund muss dringend seine Hausaufgaben machen! Jetzt ist es an der Zeit, dass auch die schleswig-holsteinische Jamaika-Koalition die Dringlichkeit des Themas und seine Verantwortung erkennt und in den Zielen nicht mehr deutlich hinter denen von Bund und Kommunen fällt!

Besonders danken möchte ich den vielfältigen Institutionen und unseren kommunalen Vertretern für Ihre Teilnahme!

 

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